Wirklichkeit, mit dem der geist in berührung tritt, und von dem kreis, in den wir uns vermittelst unserer Studien hineinversetzen. Der wirkliche Umgang mit personen und dingen unserer Umgebung und der ideale mit den personen und ereignissen der geschieht e bestimmt die tiefe der bildung. Der ideale Umgang wiederum kann sich beschränken auf die neuzeit, kann sich aber auch erweitem durch eindringen in den geist des altertums. Letzteres bahnt das gymnasium an, ersteres versucht die ober-realschule. Was aber will das realgymnasium? Es will neben den modernen bildungselementen auch ein wenig Latein treiben, weil es jetzt noch vielfach nötig ist. Meinetwegen. Auf praktische naturen mag dieser praktische gesichtspunkt eindruck machen; eine tiefergehende bedeutung vermag ich dem Lateinunterricht in den realschulen nicht beizumessen. Trotzdem kann ich sehr wohl dem losungswort für den ferneren kämpf beistimmen, das der verf. s. 49 aufpflanzt: Freiheit des weges für eitern und Schüler durch grundsätzliche gleichstellung der drei formen der höheren schulen, wie ich sie auch in meinem schriftchen über Schulreform (Langen- salza 1893) gefordert habe. Die tiefgehende Übereinstimmung zwischen dem refcrenten und dem Verfasser der vorl. schrift tritt auch noch in anderen wesentlichen punkten hervor, vor allem in der Verurteilung des staatlichen prüfungswesens an unseren höheren schulen. Es ist wirklich eine harte prüfung, die mit der eintührung des zwischenexamens ihnen auferlegt worden ist. Werden sie auch diese noch überstehen? Wir fürchten, es geht immer mehr abwärts. Es wird noch mehr gepaukt und gedrillt und noch mehr frische und kraft geht unserer Jugend verloren, die doch wahrlich nicht allzuviel zuzusetzen hat. Unsere bureaukratie ist aber mit blindheit geschlagen und ihr herz ist verstockt, gleich dem Pharaos. Sie will das jugendliche volk nicht ziehen lassen, wie es lust und liebe erheischen, sondern nur unter genauer aufsieht und peinlicher Verordnung. Es jammert sie nicht unsere Jugend, so wenig wie den kapitalisten in seinen wohlausgestatteten wänden die not des armen Volkes. Möchte die schrift Paulsens die gewissen wecken! — Jena. W. Rein. II. ÜNTERRICHTSWESEN. 303 Richard HochdSrfer, The Study and Teaching of Modern Languages. New Era Company, Springfield, 0. 1893. 16 ss. 8«. Diese kleine publikation macht weiteren kreisen einen Vortrag zu- gänglich, welcher vor etwa Jahresfrist in der Ohio College Association gehalten worden ist und in kurzen zügen eine Übersichtliche darstellung der reformbewegung in Amerika gewährt. Dort hat die bewegung auf dem gebiete des neusprachlichen Unterrichts einen ähnlichen verlauf ge- norameu und ist zu ähnlichen resultaten gelangt wie in Deutschland. Die grüsste bedeutung wird der lektüre beigemessen: *'Reading is the beginning and end of the Instruction. If a Student ask me how he could best master a foreign language, I should say: First read, secondly read, thirdly read. Before going to the classics it is advisable to read as many easy texts as the amonnt of time allotted to the foreign language will permit.' Ueber den wert der Sprechübungen finden wir folgendes urteil: »The pupils should be encouraged and accustomed to ask and answer questions, such as natural ly arise during the hours of Instruction, using the language taught, and this language should be from the first as far as practicable the medium of communication, especially on the part of the teacher, as the drilling of the ear of the pupil is of palpable importance. . . . the foreign language ought to be used in the classroom as soon and as much as possible, but never to the extent of impairing the clear understanding of the matter/' Grosses gewicht wird auch auf die Übersetzungen in die fremde spräche gelegt: **The practice of translating from English may be begun at an early stage, almost immediately in fact. It affords the teacher a good control of the pupiPs grammatical knowledge. For the same reason the translation of simple sentences in the beginning of the study ought not to be rejected: these ought to be in the strictest sense illustrations of portions of the grammar and be constructed in such a way as to be interesting and not take in too many things at once". Dagegen ist das übersetzen in die muttersprache soviel wie müglich zu vermeiden. **Some have asserted that this is a most valuable excercise, as it improves the command of English and affords a mental discipline. True, however, we are not teaching English, but another language, and time should not be taken away from this language to be given to the English . . . Translation does appear a wasto of time, but it is demanded by the unfortunate fact that not all our pupils are model pupils. You cannot depend on the pupiPs judgment, if you ask him whether he has undorstood what he has read. The only thing we can do is to restrict translation. The evidcnce that the foreign text is understood is what we are after.'^ Grammatik ist unerlässlich, jedoch auf das geringste mass zu beschränken. * 'Grammar is a bore. There was a time when teachers had become so disgusted with it that they decided to drop it altogether. ^^Throw physic to the dogs. m none of it." But it is a necessary medicine , it ought to be given, although in small doses." Das schriftchen ist fUr uns von besonderem Interesse, weil es die Ansichten unserer transatlantischen fachgenossen wiedergiebt. 304 II. UNTERIUGHTSWESEN. J. J. Findlay, Preparations for Instruction in English on a Direci Method. Marburg. N. 6. Elwert'sche VerlagsbnchhandluDg. 1893. 38 88. 8^ Preis: Mk. 0,75. Der Verfasser, früher realschuldirector zu Sheffield, tritt mit grosser wärme für den natürlichen weg der spracherlemung ein, weil dieser ihm nach seiner eigenen erfahrung als der einfachste, kürzeste und sicherste erscheint. Die muttersprache soll in dem englischen unterrichte von aufang an möglichst vermieden und nur in den ersten stunden für die notwendigsten erklärungen verwandt werden. Uebersetzungen , sowohl aus dem Eoglischen in's Deutsche als auch umgekehrt, sind daher voll- ständig ausgeschlossen; daifUr soll die anschauung und besonders die anwendung laut- und stammgleicher Wörter die aneignung der spräche erleichtem und fördern. Die notwendigen bUcher müssen ganz in der fremden spräche geschrieben sein und dürfen keine deutschen anmerkungen enthalten. Vortreftlich sind die ausführungen des Verfassers über die anforder un gen, welche an ein gutes englisches lesebuch zu stellen sind. Die von ihm aufgestellten gesichtspunkte sind durchaus zu billigen ; möge seiner absieht, ein solches buch: 'England and the English People' für deutsche schulen zu verfassen, bald die ausflihrung folgen. Dieses lesebuch würde auch in jenen schulen gute dienste leisten, welche sich der direkten methode nicht vollständig ansch Hessen. Am ende der kleinen schrift wird die erste einfUhrung in die spräche nach Findlay's methode in einigen musterlektionen eingehend dargelegt und erklärt. Das klar und über- zeugend geschriebene büchlein enthält recht beachtenswerte winke für den englischen Unterricht. Cap and Gown Comedy. A Scboolmaster's Stories. London. A. and C. Black. 1893. 342 88. 8«. Preis: geb. 5 Mk. Unter dem vorstehenden titel werden wohl wenige den Inhalt des Werkes erraten. ,Schulmeister's Leiden und Freuden" würden wir dieses buch benennen, welches die licht- und Schattenseiten eines englischen scliulmeistcrdaseins schildert. Es ist eine art erdichteter autobiographie eines erfahrenen lehrers, welcher alle phasen einer englischen lehrerkarriere, vom Assistant-Master und Vice-Principal einer privatschule an bis zum Head- master einer Public Grammar-School, auf den verschiedensten anstalten durchgemacht hat und nun seine erlebnisse und eri'ahrungen mit einem so urwüchsigen humor und in einer so anziehenden form erzählt, dass das buch für jeden eine genuss- und lehrreiche lektüre sein muss, nicht nur für den, welcher mit dem schulleben in enger Verbindung steht. Und er ist ein scharfsinniger beobachter, der alte herr, welcher seine knaben durch und durch kennt und sich in deren Sphäre hineinzuversetzen weiss. Der hunior des erzählers tritt nicht zum wenigsten in den zahlreichen, wohlangebrachten citaten aus der altklassischen und der neueren dichtung hervor. Aus diesen gründen mache ich jedoch nicht auf das werk hier aufmerksam, sondern weil es bei der novellistischen darstellung ein naturgetreues bild von deu verschiedeneu arten der englischen schulen II. UNTERRICHTSWESEN. 305 und doren ciDrichtimgcn, von dem Charakter und den neigungen der englischen knaben, von der Stellung des lehrers in England u. s. w. gewährt. In dieser hinsieht steht es einzig da. Der Verfasser hat seinen namen nicht genannt, jedoch vermute ich in demselben einen beliebten und hochangesehenen schulschriftsteller. Patriotic Poetry. A Selection of Readings and Recitations oii English History, Love of Conntry, Honour, etc. London, P. Norgate and Co., 1893. 72 ss. Klein 8". Preis geb. 1. sli. Dieses handliche biichlein, welches dem künftigen englischen Staats- bürger zum gebrauche in der schule sowohl als auch im spätem leben dienen soll, widmet sich einer erhabenen aufgäbe, denn Vaterlandsliebe und künigstreue können der Jugend nicht zu früh und zu nachhaltig ein- gepffanzt werden. Zwar besitzen die Engländer nicht unseren reichtum an patriotischen dichtungen und vaterlandsliedem mit den hinreissenden, unvergesslichen melodien, aber immerhin weist die vorliegende Sammlung eine hübsche zahl auf. Der grössere I. teil enthält, dem Inhalte nach chronologisch geordnet, gedichte, welche auf die geschichtlichen ereignisse Englands bezug haben; er beginnt mit *'Boadicea" von W. Cowper und schliesst mit "An Episode of Balaclava'' von E. E. Bowen und *The Fifth of November at Inkerman" von Gerald Masse y. In dem IL teile folgen stücke verschiedenen Inhalts. Wir finden in dem werkchen viele Schöpfungen lebender dichter, welche die iu Deutschland erschienenen Sammlungen nicht bringen, darunter manche dankbare Vortragsdichtung. So ist u. a. F. T. Palgrave mit den 6 gedichten "Alfred the Great", *Crecy", "Elizabeth", "Hastings", „Torres Vedras" und "Trafalgar" ver- treten; Gerald Hassey ausser dem erwähnten "5th Nov. at Inkerman" mit "Sir Richard GrenviÜe" und Prof. Skeat mit 2 Übersetzungen aus Uhland. Aus diesem gründe verdient die Publikation in hohem grade unsere beachtung und dürfte in keiner schulbibliothek fehlen. Beiläufig sei erwähnt, dass das nationallicd "Rule Britannia" von Thomson hier mit unrecht dessen mitarbeiter David Mallet zugeschrieben wird. Sammlung französischer und englischer Gedichte zum Auswendig- lernen. Für höhere Unterrichtsanstalten znsamniengegtellt vom Lehrerkollegium der höheren Mädchenschule zu Duisburg. Verlag von Joh. Ewich, Duisburg. 1893. 106 ss. 8«. Preis : Mk. 1,20. Die Sammlung enthält die fremdsprachlichen gedichte, welche all- jährlich in den vier obersten klassen der höheren mädchenschule zu Duisburg auswendig gelernt werden, und ausserdem in einem anhange noch einige, deren kenntnis flir die Schülerinnen wünschenswert ist. Ein Verzeichnis mit den Vokabeln — für jedes gedieht besonders zusammen- gestellt — dient zur erleichterung der präparation. Die abteilung ftir englische dichtungen umfasst 29 poesien von 14 dichtem; hiervon sollen 22 auswendig gelernt, die übrigen nur durchgenommen werden. Die gedichte E:rrx*:Ti diir-5*-er d'-, 'j-tl^'j'urfiffk erz^r^^aifis« der es^isci«« m»A rmtrStx- Lr;*: